Gründungs­aktivitäten

Gründungsförderung ist kein Selbstzweck, sondern soll innovative Ideen in erfolgreiche Gründungen umsetzen, wobei die Hochschulen Gründer gezielt unterstützen können. Der Gründungsradar versucht, sich den Gründungsaktivitäten durch eine Betrachtung der Zahl der Gründungen sowie des Erfolges bei Förderwettbewerben zu nähern, um Hinweise auf den Output der Aktivitäten in der Gründungsförderung zu gewinnen.

Die besondere Herausforderung in diesem Baustein ist, dass ein nicht unerheblicher Teil der Gründungen zeitlich versetzt erfolgt und eine Verbindung zu den Bemühungen der Hochschule nicht immer nachweisbar ist. Gleichwohl sind hohe Gründungsaktivitäten ein Hinweis auf eine lebendige Gründungskultur an der Hochschule beziehungsweise am Standort.

 

Unterschiedliche Profile punkten bei Gründungsaktivitäten

Die Hochschule München, die bereits 2012 im Baustein Gründungsaktivitäten Spitzenreiter war, erreicht auch aktuell die höchste Punktzahl unter den großen Hochschulen. Die Leuphana Universität ist bei den mittleren Hochschulen erneut an der Spitze. Innerhalb der Gruppe der kleinen Hochschulen erzielen die Filmuniversität Babelsberg und die Zeppelin Universität gemeinsam die höchsten Punktwerte. Damit zeigt die Filmuniversität Babelsberg, die im Vergleich zur Vorerhebung eine beachtliche Leistungssteigerung vorweisen kann, dass auch eine Universität mit künstlerischem Profil hier punkten kann.

Anzahl der Gründungen absolut und relativ gestiegen

Die Hochschulen erfassten 1.615 Gründungen für das Jahr 2015 (2012: 1.145). Es ist allerdings von einer darüber hinausreichenden Dunkelziffer nicht erfasster Gründungen auszugehen. Der Anteil der Hochschulen mit erfassten Gründungen hat sich im Verlauf der Erhebungen allerdings verbessert: Während 2012 nur zwei Drittel der Hochschulen Angaben zur Anzahl der Hochschulausgründungen machen konnten, sind es aktuell bereits 80 Prozent. Die durchschnittliche Anzahl erfasster Gründungen je Hochschule beträgt aktuell 13,3 Gründungen und hat sich damit seit dem Jahr 2012 um ein Drittel erhöht. Betrachtet man die Anzahl der Gründungen in Relation zur Studierendenzahl, so fällt bei den großen Hochschulen auf, dass die Universität Leipzig ähnlich viele Gründungen je 100 Studierende hat wie die Technische Universität München. Auch bei den erfolgreichen Förderanträgen braucht sie sich nicht zu verstecken.

Noch mehr Gründungen (sowohl absolut als auch relativ im Verhältnis zur Studierendenzahl) haben die Leuphana Lüneburg und die HAWK Hildesheim/Holzminden/Göttingen bei mittelgroßen Hochschulen zu verzeichnen. Bei diesen findet sich zwar absolut eine geringe Anzahl erfolgreicher Förderanträge, dafür haben sie eine überproportionale Erfolgsquote. Unter den kleinen Hochschulen gibt es keine Spitzenreiter-Hochschule mit technischem Profil, dafür aber mit der Filmuniversität Babelsberg eine künstlerisch ausgerichtete Hochschule. Diese Hochschule hat ebenfalls im Verhältnis zu ihrer Studierendenzahl eine hohe Anzahl an Gründungen sowie wenige, aber überproportional erfolgreiche Förderanträge.

 

Innovative Gründungen nicht nur in der Spitzengruppe

Neben der Zahl wird auch die Art der Gründungen erfasst, die an der jeweiligen Hochschule überwiegend realisiert werden. Der Anteil an Gründungen, die auf Forschungserkenntnissen der Hochschule basieren, Patente oder Gebrauchsmuster angemeldet haben (Schutzrechte) oder die als Kapitalgesellschaft firmieren, beschreibt hier näherungsweise den Innovationsgehalt einer Gründung. Insgesamt basierten 193 von insgesamt 1.615 Gründungen auf Patenten bzw. anderen Schutzrechten und 566 waren Kapitalgesellschaften.

Allerdings gibt es keinen eindeutigen Zusammenhang der Anteile an Schutzrechts- und Kapitalgesellschafts-Gründungen mit den drei Größengruppen. So findet sich ein höherer Anteil innovativer Gründungen bei den großen Hochschulen in der oberen, aber auch in der unteren Gruppe. In der unteren Gruppe ist allerdings festzustellen, dass hier die absoluten Zahlen an Gründungen vergleichsweise gering sind: Hier sind es durchschnittlich 10 anstelle von durchschnittlich 20 Gründungen an großen Hochschulen. Hierbei unterscheidet sich der durchschnittliche Anteil der Gründungen mit Schutzrecht beziehungsweise der Kapitalgesellschaften nicht systematisch zwischen Hochschulen mit technischem und nicht technischem Profil. Mittelgroße Hochschulen mit einem höheren Anteil an Gründungen auf der Basis von Schutzrechten finden sich eher im Mittelfeld und im unteren Viertel als in der Spitzengruppe. Allerdings finden sich dort auch überproportional viele technisch ausgerichtete mittelgroße Hochschulen. In der Gruppe der kleinen Hochschulen lässt sich kein systematischer Zusammenhang zwischen dem Innovationsgrad der Gründungen, einer technischen Ausrichtung und der Qualität der Gründungsförderung erkennen.

 

Technische Hochschulen haben nicht mehr innovative Gründungen

Insgesamt ist festzuhalten: Hochschulen mit technischem Profil haben im Durchschnitt nicht unbedingt mehr Gründungen, die auf Patenten beziehungsweise anderen Schutzrechten basieren, und auch nicht mehr Gründungen in Form einer Kapitalgesellschaft als nicht technische Hochschulen. Denn die mittlere Anzahl der Gründungen in Form einer Kapitalgesellschaft bei technischen Hochschulen (5,9) ist sogar tendenziell niedriger als die an den nicht technischen Hochschulen (6,6). Bei Gründungen mit Schutzrechten sind die Werte für technische Hochschulen (2,6) und nicht technische Hochschulen (2,3) etwa gleich hoch.

 

Spitzenreiter nutzen Vielfalt an Förderquellen

Eine Betrachtung der Erfolgsbilanz der Spitzenreiter des Bausteins Gründungsaktivitäten zeigt, dass diese Hochschulen die Bandbreite an Fördermöglichkeiten sehr erfolgreich für ihre Gründer nutzen. Nachfolgend werden die konkreten Erfolge vorbildlicher Hochschulen in deren Gründungsaktivitäten exemplarisch dargestellt. Hierbei werden jeweils die Spitzenreiter der Hochschulen mit technischem Profil sowie auch derjenigen mit einem nicht technischen Profil in den einzelnen Ranking-Größengruppen gezeigt.

EXIST-Gründerstipendium wird von knapp der Hälfte genutzt

Schaut man sich den Erfolg bei Förderwettbewerben an, so sieht die Bilanz ähnlich wie 2012 aus: An 44 Prozent der Hochschulen wurden aktuell EXIST-Gründerstipendien eingeworben (2012: 48 Prozent) und an 19 Prozent EXIST-Forschungstransfergelder (2012: 17 Prozent). Finanzierungen durch den High-Tech-Gründerfonds wurden an 9 Prozent der Hochschulen akquiriert (2012: 10 Prozent) und Investitionszuschüsse Wagniskapital an 5 Prozent der Hochschulen (2012 nicht erhoben). 26 Prozent der Hochschulen haben zudem mindestens eine weitere beziehungsweise eine andere Förderung eingeworben, 13 Prozent haben zwei, und 9 Prozent sogar drei weitere beziehungsweise andere Förderungen einbezogen. Hier werden von den Hochschulen überwiegend Landesförderprogramme genannt, aber auch kommunale wie der Innovationsfonds der Stadt Hannover, Förderprogramme der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), Stiftungsförderprogramme wie zum Beispiel der Nissen-Stiftung Hamburg, Programme der Helmholtz-Gemeinschaft, Business Angels oder bereichsspezifische Programme wie die Gründungsoffensive Biotechnologie (Go Bio) des Bundesforschungsministeriums.