Gründungs­unterstützung

Ein wichtiger Erfolgsfaktor auf dem Weg zu einem starken Gründungsprofil ist eine umfassende Unterstützung interessierter Gründer durch eine vielfältige und bedarfsorientierte Beratung, durch die Bereitstellung weiterer Infrastruktur und Finanzierungsmöglichkeiten. Daher betrachtet der Gründungsradar in diesem Baustein neben der Anzahl der betreuten Gründungsprojekte und deren Beratung unter anderem auch die dafür verfügbaren (Personal-) Ressourcen.

TU Berlin und Universität Potsdam schließen zur TU München auf

Von den großen Hochschulen erreichen die Technische Universität Berlin, die Technische Universität München und die Universität Potsdam Spitzenbewertungen in der Gründungsunterstützung. Damit gelingt es der Technischen Universität Berlin und der Universität Potsdam, durch Leistungssteigerungen zur Technischen Universität München aufzuschließen. Die Universitäten Oldenburg und Bayreuth sichern sich den ersten Platz unter den mittelgroßen Hochschulen. Während die Universität Oldenburg bereits in den Vorerhebungen gute Punktwerte erzielte, hat sich hier die Universität Bayreuth deutlich verbessert. Bei den Hochschulen mit weniger als 5.000 Studierenden sind wie bei der Sensibilisierung die HHL Leipzig Graduate School of Management und die WHU – Otto Beisheim School of Management die Sieger – hier aber gemeinsam mit der PFH Göttingen.

Drei von fünf Euro kommen von außen

Die befragten Hochschulen haben aktuell 76 Millionen Euro für die Gründungsförderung zur Verfügung (2012: 49 Millionen Euro), davon 43 Millionen Euro Drittmittel (2012: 23 Millionen Euro). Der Zeitvergleich zum Gründungsradar 2012 und 2013 zeigt, dass heute deutlich mehr finanzieller Handlungsspielraum für Hochschulen im Bereich der Gründungsförderung besteht. Die Mittel für die Gründungsförderung insgesamt sind im Durchschnitt von rund 390.000 auf 586.000 Euro gestiegen – ein deutlicher Zuwachs von insgesamt mehr als 50 Prozent
(Abbildung 11). Die gestiegenen Gesamtmittel eröffnen somit Möglichkeiten, Prozessen und Strukturen einen Schub zu geben und ihre nachhaltige Entwicklung zu sichern.Berechnet man den Anteil der Drittmittel an den Mitteln für die Gründungsförderung insgesamt, ist dieser im selben Zeitraum von 56 auf 60 Prozent gestiegen und verbleibt damit weiter auf hohem Niveau. Nur jede fünfte Hochschule berichtet über das Vorhandensein von privaten Drittmitteln. Im Durchschnitt macht deren Anteil 23 Prozent an den gesamten Drittmitteln dieser Hochschulen aus. Im Vergleich dazu betrug der Anteil aller Drittmittel an den Gesamteinnahmen der Hochschulen (ohne Verwaltungseinnahmen) laut DFG-Förderatlas zuletzt 28 Prozent; er ist damit seit 2003 um 9 Prozentpunkte gestiegen.

Deutlich mehr Personal und häufiger grundfinanziert

Ein wichtiger Faktor für die Gründungsunterstützung sind die Anzahl und die Kompetenzen der Hochschulmitarbeiter in der Gründungsberatung. Während es 2012 durchschnittlich knapp vier Hochschulmitarbeiter für diese Aufgaben waren (in Vollzeitäquivalenten [VZÄ]: 2,6), sind es aktuell sechs (VZÄ: 3,7). Dieser Anstieg ist vor allem auf die kleinen Hochschulen zurückzuführen. Die Summe aller Mitarbeiter an den teilnehmenden Hochschulen beträgt derzeit 805 Personen (VZÄ: 515) und ist damit im Vergleich zu 2012 gestiegen (2012: 541 Personen, VZÄ: 343). Gemessen an der Anzahl der Studierenden gab es jedoch kaum eine Veränderung, da die Studierendenzahl ebenfalls stieg.

Bezüglich der Stabilität der Stellenfinanzierung hat sich der bereits in den Vorerhebungen beobachtete Trend fortgesetzt: Der Anteil der grundfinanzierten Stellen steigt. 2012 waren insgesamt durchschnittlich 28 Prozent der Stellen grundfinanziert, aktuell sind es 59 Prozent. Hierbei sind – anders als in der Vorerhebung – an mittelgroßen und kleinen Hochschulen (je 65 Prozent) nun deutlich mehr Mitarbeiter grundfinanziert als an großen Hochschulen (46 Prozent). Dies deutet darauf hin, dass das Thema Gründungsförderung auch an mittelgroßen und kleinen Hochschulen inzwischen als wichtiges Thema eingeschätzt wird und zunehmend nachhaltig verfolgt wird. Allerdings ist insbesondere an EXIST-IV-Hochschulen zwar die Anzahl der Mitarbeiter durchschnittlich deutlich höher (17 statt 4 bei den übrigen Hochschulen), der Anteil der grundfinanzierten Stellen liegt hier aber nur bei 30 Prozent. An nicht EXIST-IV-geförderten Hochschulen liegt er bei 65 Prozent. Um die Quantität und Qualität der Gründungsförderung zu halten, wäre daher nach dem Auslaufen größerer Drittmittelförderungen wie EXIST IV ein deutlicher Ausbau der grundfinanzierten Stellen notwendig.

 

Anzahl betreuter Projekte steigt

Die Anzahl betreuter Gründungsprojekte beträgt 6.401, das sind im Durchschnitt 45 Projekte je Hochschule und damit 22 Prozent mehr gegenüber 2012 (4.284 beziehungsweise
37 Gründungsprojekte je Hochschule). Gemessen an der Anzahl der Studierenden gab es wiederum eine kleinere Veränderung, da die Studierendenzahl stieg. Es sind aber nicht nur Studierende, deren Gründungsprojekte betreut werden, wenngleich diese mit durchschnittlich 61 Prozent überwiegen. Vielmehr sind es mit 17 Prozent der betreuten Gründungsprojekte auch Wissenschaftler und 22 Prozent sonstige Personen (wie zum Beispiel Absolventen und Externe). Insbesondere bei (Nachwuchs-)Wissenschaftlern liegt empirischen Studien zufolge noch weiteres Potenzial.

 

Hochschulen beraten Gründungsprojekte weiter intensiv

Für die Intensität der Gründungsunterstützung ist die Anzahl der Beratungsgespräche je Gründungsprojekt ein wichtiger Indikator. Angesichts des berichteten Anstiegs der Projektzahl muss es als Erfolg gelten, dass die durchschnittliche Anzahl der Beratungsgespräche stabil gehalten werden konnte beziehungsweise sogar geringfügig gestiegen ist. 2015 waren es durchschnittlich 5,2 Gespräche je Gründungsprojekt, 2012 4, 7 Gespräche. Die Intensität der Beratung ist damit sogar leicht gestiegen.

Vielfältige Unterstützung auch jenseits der Beratung

Darüber hinaus bieten fast alle Hochschulen (99 Prozent) auch Unterstützungen jenseits der Beratung. Neben Zugang zu Netzwerken (94 Prozent), Büroräumen (86 Prozent), Büro-Infrastruktur (78 Prozent) und technischer Infrastruktur wie Maschinen (77 Prozent) sind dies zunehmend auch finanzielle Beteiligung und Unterstützung durch die Hochschulen (zusammen 34 Prozent). Die Antworten auf die offene Frage nach sonstigen Unterstützungen zeigen, dass dies teilweise zusätzlich durch das Einbringen von Schutzrechten gegen Beteiligung geschieht sowie durch finanzielle Beteiligung über eine Verwertungsgesellschaft. Eine Hochschule hat sogar Beratungsgutscheine für regionale Patentanwälte und Steuerberater ausgegeben. Außerdem wurde relativ häufig die Unterstützung durch Coaching und Mentoring angegeben (überwiegend durch Externe).