Gründungs­sensibilisierung

Erfolgreiche Gründungsförderung beginnt mit einer breiten und intensiven Sensibilisierung von Studierenden und Wissenschaftlern. Diese kann das Interesse an unternehmerischem Handeln wecken, Karrierewege jenseits der Wissenschaft eröffnen und legt den Grundstein für eine Gründungskultur an der Hochschule.

Die Sensibilisierung kann auf unterschiedliche Art und Weise erfolgen: über ein vielfältiges curriculares und außercurriculares Angebot an gründungsrelevanten Veranstaltungen, die Einbindung möglichst vieler Fachbereiche in das Lehrangebot bis hin zur Platzierung der Gründungsthematik auf der Hochschulwebseite.

Bei der Sensibilisierung agieren die Technische Universität München und die Universität Kassel vorbildlich unter den großen Hochschulen. Während die Technische Universität München hier bereits in den vergangenen Jahren hervorragende Punktzahlen erreichte, gelingt dies der Universität Kassel aufgrund deutlicher Verbesserungen erstmals. Ihnen folgen mit nur einem Zehntelpunkt Abstand fünf in der Sensibilisierung gleich erfolgreiche Hochschulen. Bei den mittleren Hochschulen schaffen es die Universität Oldenburg und erneut die Leuphana Universität Lüneburg an die Spitze. Die HHL Leipzig Graduate School of Management und die WHU – Otto Beisheim School of Management sind wiederum die Sieger unter den kleinen Hochschulen.

Angebot an gründungsrelevanten Veranstaltungen ausgeweitet

Ein zentraler Aspekt für die Gründungssensibilisierung ist das curriculare und außercurriculare Angebot an gründungsrelevanten Veranstaltungen. Dies ist im Vergleich zu 2012 deutlich umfangreicher geworden: Insgesamt ist die Anzahl der Veranstaltungen von 3.120 im Jahr 2012 auf 5.133 gestiegen. Im Durchschnitt bieten die Hochschulen aktuell 15 curriculare Veranstaltungen an und damit etwa doppelt so viele wie 2012. Bei den außercurricularen Veranstaltungen gibt es mit derzeit durchschnittlich 22 Veranstaltungen ebenfalls eine deutliche Steigerung (2012: 14). Hierbei haben die großen Hochschulen naturgemäß ein umfassenderes Angebot als die kleinen. Setzt man dieses aber in Relation zur Hochschulgröße, dann haben die kleinen Hochschulen – gemessen je 100 Studierende – das relativ umfassendere Angebot.

 

Weiteres Potenzial durch intensivere Ansprache von Wissenschaftlern und Promovierenden

Interessant sind auch die Ergebnisse zu den Veranstaltungen für Wissenschaftler/Promovierende: Lediglich 33 Hochschulen haben Veranstaltungen speziell für diese Zielgruppe angegeben. Dies sind je Hochschule im Durchschnitt lediglich vier Veranstaltungen. Damit wird dieser Zielgruppe sehr wenig geboten. Und zwischen großen, mittelgroßen und kleinen Hochschulen gibt es kaum Unterschiede. Aber anders als erwartet, sind unter den Hochschulen nicht nur Universitäten, sondern auch sechs Fachhochschulen und diese bieten mit fünf Veranstaltungen im Schnitt nicht weniger Veranstaltungen an. Setzt man diese Werte dann noch in Relation zur Größe der Zielgruppe, so ergibt dies 0,004 Veranstaltungen je 100 Wissenschaftler an Universitäten und 0,007 an den Fachhochschulen. Damit zeigt sich, dass hier einige Fachhochschulen dem Durchschnitt der Universitäten etwas voraushaben. Allerdings ist angesichts eines Anteils von rund 25 Prozent an Existenzgründung interessierten (Nachwuchs-)Wissenschaftlern festzustellen, dass es hier insgesamt an den Hochschulen noch größere schlummernde Potenziale gibt, zu deren Hebung noch vieles beizutragen wäre.

 

Zunehmend externe Referenten einbezogen

Neben der Vielfalt der Inhalte und Veranstaltungsformen, die für die Vermittlung der nötigen Kompetenzen und für ein attraktives Lehrangebot sorgen soll, sind für eine lebendige Vermittlung praktischer Erfahrungen auch externe Referenten wichtig. Gründer werden inzwischen an fast allen Hochschulen in die Veranstaltungen eingebunden (2012: 75 Prozent. Aber auch IHK, Wirtschaftsförderung und Verbände sowie sonstige Vertreter der Privatwirtschaft werden jeweils an circa vier von fünf Hochschulen und damit zunehmend häufiger eingebunden. Kapitalgeber sind im Vergleich dazu seltener an der Lehre beteiligt. Allerdings ergibt der Größengruppenvergleich, dass die Einbindung externer Referenten bei den großen Hochschulen generell deutlich höher ausfällt als bei mittelgroßen, und bei diesen wiederum höher als bei den kleinen Hochschulen. Während die Vielfalt der externen Referenten bei den großen Hochschulen insgesamt kaum noch gesteigert werden kann, gibt es bei den mittelgroßen und kleineren Hochschulen hier noch Gestaltungsspielraum.

Verbesserungspotenzial bei der Anrechnung von Leistungen

Die Gründungsförderung an der Hochschule ist nur so erfolgreich, wie sie sich schließlich auch in der Gewinnung von Studierenden und Mitarbeitern für dieses Thema niederschlägt. Dafür müssen die gründungsbezogenen Lehrveranstaltungen attraktiv sein. Neben Professoren mit Strahlkraft ist entscheidend, dass in diesen Veranstaltungen erworbene Leistungen anrechenbar sind und dies nicht nur in wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen. Der Anteil der Studiengänge, in denen Leistungen aus gründungsrelevanten Veranstaltungen anerkannt werden können, beträgt im Durchschnitt 45 Prozent (2012: 35 Prozent), davon knapp mehr als die Hälfte außerhalb der Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Insbesondere an Universitäten, großen und privaten Hochschulen können mehr Leistungen aus gründungsrelevanten Veranstaltungen in Form von ECTS eingebracht werden. Fachhochschulen, kleine und mittlere Hochschulen haben hier einen Nachholbedarf.

Sichtbarkeit der Gründungsförderung im Web nicht verbessert

Eine zentrale Platzierung der Gründungsförderung auf der Webseite der Hochschule ist wichtig, damit sie als Informationsquelle nicht nur von ohnehin stark Gründungsinteressierten, sondern auch von weiteren potenziellen Gründern wahrgenommen werden kann. Die Platzierung der Gründungsthematik auf der Hochschulwebseite hat sich allerdings im Zeitverlauf im Durchschnitt kaum verändert: Nach wie vor ist diese bei 12 Prozent der Hochschulen auf der Startseite (2012: 15 Prozent), bei 40 Prozent ist ein Klick nötig (2012: 30 Prozent), bei 22 Prozent zwei Klicks (2012: 27 Prozent), bei 26 Prozent mehr als zwei Klicks (2012: 28 Prozent). Damit ist die Gründungsförderung im Web nicht sichtbarer geworden.