Gründungs­radar

Der Gründungsradar des Stifterverbandes vergleicht Hochschulprofile in der Gründungsförderung an deutschen Hochschulen.

Interaktives Datenportal

 
Ein wichtiger Mechanismus für den Transfer von Wissen und Innovationen
aus den Hochschulen in die Gesellschaft sind Unternehmensgründungen. Die aktive Förderung und Unterstützung für Studierende und wissenschaftliches Personal auf dem Weg zur Gründung ist an vielen Hochschulen in Deutschland mittlerweile ein fest verankerter Auftrag.

Der Gründungsradar untersucht zum fünften Mal, welche Anstrengungen die Hochschulen für eine Stärkung der Gründungskultur unternehmen, und vergleicht diese. Dabei werden verschiedene Dimensionen erfasst: Gründungssensibilisierung, -qualifizierung und -unterstützung sowie die institutionelle Verankerung. Auch die Gründungsaktivitäten, das heißt, welchen Output die Bemühungen in der Gründungsförderung hervorbringen, die Netzwerkarbeit, das Monitoring und die Evaluationsaktivitäten in dem Bereich werden betrachtet.

Das Indikatorenset des Gründungsradars wurde im Vergleich zur letzten Erhebung überarbeitet, um den neueren Entwicklungen in der Gründungsförderung an Hochschulen gerecht zu werden. Denn: Seit dem ersten Gründungsradar 2012 ist vieles geschehen! War die Gründungsförderung an Hochschulen vor acht Jahren noch ein Nischenthema, ist sie heutzutage an deutlich mehr Hochschulen erklärtes Ziel. Die institutionelle Verankerung des Themas hat stark zugenommen und die Unterstützungsmaßnahmen haben sich an vielen Stellen professionalisiert. Auch die Zahlen aus der vorliegenden Ausgabe des Gründungsradars unterstreichen die Entwicklung: Erstmals wurden über 2.000 Gründungen aus den Hochschulen zurückgemeldet, fast 700 Vollzeitarbeitskräfte unterstützen die Gründungsinteressierten, die Hochschulen führten etwa 7.500 gründungsrelevante Veranstaltungen durch und erreichten dabei über 200.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Im Zuge der Förderungen des Programms EXIST-Potentiale werden noch einmal enorme Impulse gesetzt, um den erfolgreichen Weg weiterzugehen und auszuweiten. 142 Hochschulen werden mit insgesamt 150 Millionen Euro vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert. Die Zahlen der aktuellen Ausgabe bieten hier eine valide Ausgangsbasis, um die Auswirkungen der Förderlinie in Zukunft einzuschätzen.

 

Gründungsförderung in Zahlen

Zusammenfassung der Kernergebnisse

  • Spitzenreiter des Gründungsradars 2020: Gemessen an dem neuen Indikatorenset des Gründungsradars erzielen die Technische Universität München bei den großen, die Hochschule Aalen bei den mittelgroßen und die HHL Leipzig Graduate School of Management bei den kleinen Hochschulen am meisten Punkte. Während die Technische Universität München und die HHL Leipzig Graduate School of Management damit ihre Spitzenposition verteidigen können, landet die Hochschule Aalen erstmalig auf dem ersten Platz.
     
  • Zahl der Gründungen und Gründungsvorhaben an Hochschulen steigt kontinuierlich weiter: Für das Jahr 2019 wurden von den teilnehmenden Hochschulen insgesamt 2.176 Gründungen zurückgemeldet. Das bedeutet etwa 10,5 Gründungen je 10.000 Studierende an Hochschulen mit Gründungsförderung. Mindestens 984 der Gründungen sind auf Wissens- und/oder Technologietransfer aus den Hochschulen und 186 auf konkrete Schutzrechte wie beispielsweise Patente zurückzuführen. Zudem wurden 7.389 Gründungsvorhaben im Jahr 2019 an den teilnehmenden Hochschulen registriert. Zum Vergleich: Für das Jahr 2017 wurden noch 1.776 Gründungen zurückgemeldet, im Jahr 2012 waren es noch 1.145. Bezieht man nur die Hochschulen mit ein, die in der aktuellen Erhebungswelle und der vorigen Vergleichserhebung geantwortet haben, so sind es 1.658 Gründungen im Jahr 2017 und 1.872 Gründungen im Jahr 2019; gerechnet auf die Studierendenzahl der Hochschulen mit Gründungsförderung: 11,2 Gründungen je 10.000 Studierende im Jahr 2017 und 12,5 im Jahr 2019.
     
  • Hohe Drittmittelabhängigkeit der Gründungsförderung an Hochschulen: Die Gründungsförderung ist nach wie vor stark von Drittmittelprojekten abhängig. Nicht einmal 30 Prozent der 128 Millionen Euro, die der Gründungsförderung im Jahr 2019 zur Verfügung standen, kommen aus den Grundmitteln der Hochschulen. Die von den Hochschulen oft beklagten Folgen: hohe Personalfluktuation, Unsicherheit, keine nachhaltige Nachverfolgung von Ideen und Strukturen und ständiger Neustart.
     
  • 200.000 erreichte Teilnehmerinnen und Teilnehmer in gründungsrelevanten Veranstaltungen: Im Studienjahr 2019 (Wintersemester 2018/2019 und Sommersemester 2019) wurden in knapp 7.500 gründungsrelevanten Veranstaltungen mehr als 200.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erreicht. Das Gros der Hochschulen deckt in den Veranstaltungen verschiedenste gründungsrelevante Inhalte ab und bietet eine hohe Vielfalt hinsichtlich Lehrformaten, -methoden und eingebundenen Referentinnen und Referenten.
     
  • Netzwerkarbeit in der Gründungsförderung: 90 Prozent der antwortenden Hochschulen sind Mitglied in einem institutionalisierten Netzwerk im Bereich der Gründungsförderung. Nahezu alle Hochschulen sehen – so zeigen es die qualitativen Angaben zur Netzwerkarbeit – einen enormen Gewinn in dem gegenseitigen Austausch, der Koordinierung und der gegenseitigen Unterstützung.
     
  • Internationalisierung der Hochschulen: Für zwei Drittel der antwortenden Hochschulen spielt das Thema Internationalisierung in der Gründungsförderung eine Rolle. An der Hälfte dieser Hochschulen wurden internationale Kooperationsvereinbarungen geschlossen, an einem Drittel wird Kontakt zu internationalen Investoren gepflegt und ebenfalls bei einem Drittel sind internationale Austauschprogramme für Gründerinnen und Gründer etabliert.
     
  • Evaluation der Gründungsförderung ausbaufähig: Zwar wird das Monitoring zu den Gründungsvorhaben und Gründungen stetig besser, die Arbeit der Gründungsförderung selbst wird jedoch nur an knapp der Hälfte der antwortenden Hochschulen regelmäßig evaluiert. Die Wirksamkeit von Maßnahmen ist somit viel zu häufig nur "gefühlt" zu beurteilen.
     
  • Frauen unter den Gründungspersönlichkeiten unterrepräsentiert: Lediglich an zehn Prozent der Hochschulen mit Angaben ist der Anteil der Frauen unter den Gründungspersönlichkeiten höher als der Anteil der Frauen unter den Studierenden. Im Gründungsradar wird demnach – wie auch in zahlreichen anderen Studien – bestätigt: Frauen sind in der Gründungsszene deutlich unterrepräsentiert. 37 Prozent der antwortenden Hochschulen versuchen hier mit speziell auf Frauen zugeschnittenen Angeboten entgegenzusteuern.
     
  • Forderungen an die Politik: An die Politik wird vor allem der Wunsch nach einer Verstetigung der Gelder in der Gründungsförderung geäußert. Auch fordern viele Hochschulen eine Fortführung und Verbesserung (zum Beispiel Spezialisierung, Ausbau) der Förderprogramme. Zudem werden die Forderungen nach mehr personellen Ressourcen und deren Verstetigung sowie zu leichteren Antragsverfahren und konkreten (Landes-)Gesetzänderungen angebracht.

 

Fallbeispiele

Gemeinsam sind wir stärker! Hochschulen sind Ideenschmieden. Technische Innovationen und kreative Einfälle dürfen aber nicht in der Schublade landen. Es kommt darauf an, dass sie umgesetzt und auf dem Markt eingeführt werden. Hochschulen sollten dies fördern, indem sie ein Klima für Entrepreneurship schaffen und Gründungswillige unterstützen. Welche Stärke Hochschulverbünde dabei entfalten können, indem sie ihre Kräfte bündeln, zeigen die nachfolgenden Fallbeispiele.

Der Gründungsradar wird durch die Marga und Kurt Möllgaard-Stiftung
und das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert und
vom Stifterverband durchgeführt.

Bis 2018 hat die Heinz Nixdorf Stiftung den Gründungsradar gefördert.